Lebenserwartung HIV-Infizierter

Alter und HIV

Zurück in die Zukunft – auch mit HIV

Richtig alt werden mit HIV – wer hätte das gedacht?

In Deutschland sind aktuell rund 80.000 Menschen mit HIV infiziert. Ein Drittel davon hatte 2012 das 50. Lebensjahr bereits erreicht (Quelle RKI). Als die Epidemie vor rund 30 Jahren begann, hat niemand damit gerechnet, denn damals war die Infektion nicht behandelbar, war fortschreitend und endete tödlich. Das ist heute nicht mehr so, dank des massiven medizinischen Fortschritts in der Behandlung der HIV-Infektion.

Es mag sich für Dich vielleicht komisch anhören, aber heute haben HIV-Infizierte meist mit ganz alltäglichen Sorgen und Herausforderungen zu kämpfen, wie jeder andere auch. HIV muss da wirklich nicht im Vordergrund stehen.

Wer sich heute im Alter von 30 Jahren mit HIV infiziert, dem wird eine Lebenserwartung von 75 Jahren* prognostiziert.

Möglich wird dies durch moderne Medikamente, die hochwirksam sind und teilweise aus nur einer Tablette täglich bestehen. Dabei ist die Lebenserwartung generell abhängig vom Immunstatus und dem rechtzeitigen Beginn der HIV-Behandlung. Bei funktionierender Therapie kann sogar statt von einer „chronischen Erkrankung“ von einer „chronischen Infektion ohne Krankheitszeichen“ gesprochen werden.

Heute schon an später denken – Therapiestart und Verlaufskontrolle

Wenn Du noch nicht medikamentös behandelt wirst, geh regelmäßig zu Deinem Arzt, damit er den Verlauf der HIV-Infektion beobachten und mit Dir gemeinsam den für dich richtigen Zeitpunkt für den Beginn der Therapie bestimmen kann. Wenn Du schon Medikamente nimmst, ist es ebenso wichtig, Deine Blutwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen, damit die Wirksamkeit der Therapie überprüft werden kann.

Während vor einigen Jahren HIV-Schwerpunktärzte vornehmlich mit der Kontrolle der Infektion ihrer Patienten befasst waren, treten heute auch altersbedingte Krankheiten stärker in den Fokus. Es ist noch nicht eindeutig geklärt, inwieweit die HIV-Infektion selbst und die antiretroviralen Medikamente zur Entwicklung dieser Krankheiten beitragen.

Auf den Verlauf einer HIV-Infektion in späteren Jahren haben der Zustand des Immunsystems und die Höhe der Viruslast in jüngeren Jahren Einfluss. Deshalb ist es wichtig, mit der medikamentösen Therapie zu beginnen, bevor das Immunsystem massiv geschädigt und die Viruslast hoch ist.

Ja und was ist mit AIDS?

Vielleicht fragst Du dich, warum wir auf dieser Website von HIV und gar nicht von AIDS sprechen. Der Grund ist folgender: AIDS tritt unter erfolgreicher medikamentöser Therapie so gut wie nicht mehr auf, und Menschen mit HIV sterben heute überwiegend nicht mehr an AIDS.

Bleibt eine HIV-Infektion unbehandelt, kann im Laufe von Jahren das Immunsystem derart stark geschädigt werden, dass es nicht mehr in der Lage ist, seine Abwehrfunktion zu erfüllen. Krankheitserreger, die einem gesunden Körper normalerweise nichts anhaben können, führen dann zu schweren Krankheiten und schließlich zum Tod. Wie und wann sich aus einer unbehandelten HIV-Infektion AIDS entwickelt, ist nicht vorauszusehen. Mit modernen HIV-Medikamenten lässt sich die Vermehrung des HI-Virus eindämmen. Ein geschädigtes Immunsystem kann sich wieder erholen, sodass AIDS nicht ausbricht.

Es ist davon auszugehen, dass sich mit zunehmender medikamentöser Behandlung von Menschen mit HIV die Todesursachen von HIV-negativen und HIV-positiven Patienten weiter angleichen werden.


> Keine Angst vor ersten Fältchen