„Ich habe #nochvielvor: Und dabei lass ich mich von HIV nicht bremsen.”

Hildegard wünscht sich, dass HIV in der Gesellschaft normaler wird. Dafür ist aber noch viel Aufklärung nötig. Ihre wichtigsten Ziele sind: Wissen über HIV vermitteln, auch im Gesundheitswesen, und Vorurteile in der Gesellschaft und bei den Menschen mit HIV selbst abbauen.

Hildegard ist 70 Jahre alt. Ihr Alter sieht man der dynamischen Rentnerin nicht an – genauso wenig wie ihren HIV-Status: Hildegard ist HIV-positiv. Bereits 1997 erhielt die Ehefrau und Mutter aus Lübeck die völlig unerwartete Diagnose. Ihr damaliger Ehemann hatte sie unwissentlich mit dem Virus angesteckt. Für Hildegard begann damit eine schwere Zeit. Nicht nur die Angst vor der Reaktion ihrer Familie und die Stigmatisierung durch die Gesellschaft, ganz besonders die eigenen Schamgefühle, auch als Mutter, belasteten sie schwer. Heute fühlt sich Hildegard durch ihre Erfahrungen mit HIV gestärkt, ist eigenständiger und offener als vor der Diagnose.

Kraft, Lebensmut und neue Perspektiven gewinnt Hildegard vor allem durch ihr Engagement: Sie ist im Vorstand der Lübecker AIDS-Hilfe, leitet Treffen der Arbeitsgruppe „Positiv & Hetero“ und unterstützt HIV-Positive in der JVA. Hinzu kommen weitere Projekte und Beratungstätigkeiten für Frauen mit HIV. Für Hildegard ist HIV heute vor allem ein gesellschaftliches Problem: Stigmatisierung und Diskriminierung belasten Menschen mit HIV und grenzen sie aus – das gilt ganz besonders für Frauen. Gerade heterosexuelle Frauen, wie sie selbst, gehören zu einer kleinen Minderheit unter HIV-Infizierten. Aber auch bei der medizinischen Betreuung sieht die Rentnerin noch Aufklärungsbedarf. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass auch viele Ärzte mit der Diagnose HIV-positiv nicht umgehen können und ihre Patienten dadurch nicht in allen Lebensbereichen unterstützen können.

Aufklärung über ein Leben mit HIV und Vorurteile über die Krankheit bekämpfen – dabei lässt sich die Rentnerin nicht bremsen. „HIV soll in der Gesellschaft normaler werden. Dafür ist aber noch viel Aufklärung nötig! Wissen über HIV vermitteln, auch im Gesundheitswesen, und Vorurteile in der Gesellschaft und bei den Menschen mit HIV selbst abbauen, das sind unsere wichtigsten Ziele.“ Aber auch ihre persönlichen Träume liegen ihr am Herzen. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner, der HIV-negativ ist, genießt sie ihr „normales“, erfülltes Leben. „Mindestens einmal am Tag einen Moment glücklich sein“, das nimmt sich Hildegard fest vor. Ob eine Motorradtour auf die Isle of Man oder ein spätes Philosophie-Studium – Hildegard hat in ihrem Leben ‚noch viel vor‘.

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