„Ich habe #nochvielvor: Solange bis soziale Stigma­tisierung abgeschafft ist.“

Florian ist 38 Jahre alt. Für seine große Liebe ist er vor fünf Jahren von Augsburg nach Berlin gezogen. Dort arbeitet er als Journalist und Geschäftsführer des SchwuZ, Deutschlands ältester queerer Club. Er lebt, liebt und genießt die bunte Partyszene der Hauptstadt – alles „ganz normal“ für einen aktiven, schwulen Mann. Dass Florian HIV-positiv ist, schränkt sein Leben in keiner Weise ein. Natürlich war die Diagnose auch für ihn ein Schnitt in seinem Leben. Ihm wurde jedoch schnell klar, dass man mit einer HIV-Infektion durch den medizinischen Fortschritt heutzutage gut und lange leben kann. Schon wenige Tage nach der Diagnose handelt er: Er beginnt eine Therapie, das HI-Virus ist seitdem in seinem Blut nicht mehr nachweisbar. Und er schließt sich einer Selbsthilfegruppe an – seither ist er HIV-Aktivist.

Florian engagiert sich für die Deutsche AIDS-Hilfe und besucht als ehrenamtliches Teammitglied der Präventionskampagne ICH WEISS WAS ICH TU viele CSDs, Straßenfeste und Events. Als Referent für Party- und Sexdrogen hält er Vorträge und Seminare zum Thema Prävention und Chems* in der MSM**-Szene. Die Geburtsstunde seines Blogs flosithiv ist seine Reise zur Welt-AIDS-Konferenz 2016 nach Durban, Südafrika. Als Mitglied der Deutschen Delegation berichtet der Journalist auf seinem neuen Blog über die Konferenz und seine Erlebnisse. Ein Riesenerfolg: In nur einer Woche erreicht er über 80.000 Menschen aus der Community. Inzwischen schreibt er auf seinem Blog über sein „positives“ Leben, seinen selbstverständlichen Umgang mit HIV und Neuigkeiten zum Thema HIV und AIDS.

*synthetische Drogen; **Männer, die Sex mit Männern haben

Sein Engagement empfindet Florian auch als eine Form der Selbstmedikation, die ihm viel Energie gibt: „Ich stelle fest, je offener ich bin, desto mehr bekomme ich von der Gesellschaft zurück.“ Diese Offenheit erhofft sich der Blogger auch von anderen Menschen mit HIV: „Wir sollten zeigen, dass sich HIV kaum von anderen, gut behandelbaren chronischen Krankheiten unterscheidet. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass jemand, der die Diagnose HIV erhält, gar nicht erst in einen Trauermoment verfällt, sondern sofort weiß, dass es viel Unterstützung und gute Therapiemöglichkeiten gibt.“ Einen Grund, wegen einer HIV-Infektion Lebensträume aufzugeben, sieht er nicht: „Ich glaube, dass ein Leben mit dem HI-Virus in der heutigen Zeit in Deutschland lebenswert und positiv gestaltet werden kann. Stigmatisierung und Diskriminierung sind für Betroffene noch immer die viel größeren Probleme.“ Von den Zielen der Initiative #nochvielvor ist der HIV-Aktivist daher überzeugt: „Wir haben so lange ‚noch viel vor’, bis die gesellschaftliche Stigmatisierung vollkommen abgeschafft ist und wir Menschen mit HIV ein positives, selbstbewusstes Leben mit dem HI-Virus führen können.“

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