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HIV in Deutschland: Zum 90-90-90-Ziel fehlt noch ein letzter Schritt!

Gute Nachrichten: Immer weniger Menschen stecken sich mit HIV an!

Pünktlich zum Welt-AIDS-Tag hat das Robert Koch-Institut (RKI) die aktuellen Zahlen zum Stand von HIV in Deutschland veröffentlicht.1 Die gute Nachricht: Die Anzahl der HIV-Neuinfektionen geht weiter zurück. Laut Schätzungen des RKI infizierten sich in 2018 etwa 2.400 Menschen mit HIV, das sind 100 Menschen weniger als im Vorjahr. Am deutlichsten zeigt sich die Entwicklung bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM): Von 2012 bis 2018 hat sich die Anzahl der HIV-Neuinfektionen in dieser Gruppe um fast 30 Prozent verringert. Das RKI geht für das Jahr 2018 von etwa 1.600 Neuinfektionen aus – 2012 und 2013 waren es noch 2.200. HIV-Infektionen durch andere Übertragungswege, wie heterosexueller Kontakt und intravenöser Drogenkonsum, sind insgesamt deutlich seltener. Die Anzahl der Menschen, die sich durch intravenösen Drogenkonsum mit HIV anstecken, ist seit 2012 zwar leicht gestiegen, die Zahl der Neuinfektionen durch heterosexuellen Kontakt aber ist im vergangenen Jahr von 620 auf 530 gesunken.

Mit Blick auf die 90-90-90-Ziele der UNAIDS befindet sich Deutschland auf der Zielgeraden – aber eben noch nicht ganz am Ziel:

  • Ziel Nummer 1 – 90 Prozent aller Menschen mit HIV sollen von ihrer Infektion wissen: Dieses erste Ziel erreicht Deutschland noch nicht. Das RKI geht davon aus, dass von insgesamt 87.900 Menschen mit HIV etwa 10.600 ihre Diagnose nicht kennen. Das bedeutet, Deutschland liegt hier bei 88 Prozent.
  • Ziel Nummer 2 – 90 Prozent der Menschen mit HIV-Diagnose sollen eine antiretrovirale Behandlung erhalten: An dieses Ziel kann Deutschland in diesem Jahr einen Haken machen! 93 Prozent dieser Menschen sind in Therapie.
  • Ziel Nummer 3 – 90 Prozent der HIV-Positiven, die eine Therapie erhalten, sollen eine Viruslast unter der Nachweisgrenze haben: Auch dieses Ziel hat Deutschland gemeistert! Das RKI vermeldet, dass bei 95 Prozent der Behandelten die Therapie erfolgreich ist. Das heißt: Ihre Viruslast ist nicht mehr nachweisbar, ein Übertragungsrisiko auf andere ist somit deutlich reduziert.2

Deutschland steht also bei 88-93-95. Das bedeutet, wir sind auf der Zielgeraden! Doch die letzten Meter sind eine Herausforderung: Es bleibt enorm wichtig, die Menschen zu ermutigen und zu motivieren, sich auf HIV testen zu lassen. Informations- und Testangebote sowie Maßnahmen zur Aufklärung müssen weiter ausgebaut werden. Unwissenheit, Vorurteile und die Angst vor Diskriminierung dürfen niemanden mehr von einem HIV-Test abhalten! Denn eine frühzeitige Diagnose ist essenziell für den Erfolg der Behandlung – je eher das Virus entdeckt und bekämpft wird, desto weniger Schaden kann es anrichten. Daher ist es wichtig, seinen Status frühstmöglich zu kennen und sich (regelmäßig) testen zu lassen. Wie das funktioniert, erfährst Du hier.

1 Den vollständigen Bericht des Robert Koch-Instituts findest du hier.
Obwohl es sich gezeigt hat, dass die erfolgreiche Virussuppression durch eine antiretrovirale Therapie das Risiko einer sexuellen Übertragung erheblich reduziert, kann ein Restrisiko nicht ausgeschlossen werden. Auf Grundlage (unkontrollierter) Beobachtungsstudien stuft das Robert Koch Institut das Risiko einer sexuellen Übertragung (Viruslast seit ≥6 Monaten unter der Nachweisgrenze) als vergleichbar gering ein wie bei der Verwendung eines Kondoms ohne antiretrovirale Therapie.* Auch die Deutsche Aidshilfe wertet den Schutz durch Therapie als Safer Sex.**
* https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HIV_AIDS.html
** https://www.aidshilfe.de/schutz-therapie#acc-175410

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