HIV-Test: Der erste wichtige Schritt gegen HIV und AIDS

„Bin ich HIV-positiv oder -negativ?“ Es ist kein gutes Gefühl, diese Frage nicht mit Gewissheit beantworten zu können. Oft beherrschen Ängste, Sorgen und Schamgefühl die Gedanken. Dabei hängt viel von der Antwort auf diese Frage ab: Nur wer frühzeitig weiß, dass er oder sie HIV-positiv ist, kann handeln, mit einer früh einsetzenden, erfolgreichen Therapie ein fast normales Leben führen und auch eine Ansteckung anderer, zum Beispiel des Partners, nahezu ausschließen. Trotzdem: Ende 2016 lebten laut Schätzung des Robert Koch-Instituts in Deutschland um die 88.400 Menschen mit HIV, darunter etwa 12.700 Menschen, die nicht wissen, dass sie betroffen sind.*

Die persönliche Entscheidung für einen HIV-Test ist der erste wichtige Schritt, um HIV und AIDS zu besiegen – für jeden einzelnen und auch für die Gesellschaft. Doch woher weiß man, ob ein HIV-Test wirklich nötig ist? Nun, im Prinzip gilt: Alle, die die eingangs gestellte Frage nicht mit 100-prozentiger Sicherheit beantworten können, sollten sich mit einem HIV-Test Gewissheit verschaffen. Dringend zu empfehlen ist ein HIV-Test natürlich vor allem dann, wenn man einem Risiko für eine HIV-Ansteckung ausgesetzt war. Hierzu zählen zum Beispiel ungeschützter Sex mit einem/r Geschlechtspartner/in, dessen/deren HIV-Status nicht bekannt ist, oder die gemeinsame Nutzung von Spritzen beim Drogenkonsum. Hinzu kommt: Eine HIV-Infektion kann sich bereits zwei bis vier Wochen nach der Ansteckung durch grippeähnliche Beschwerden zeigen. Wer diese Symptome zeigt, sollte sich unbedingt mit einem HIV-Test Gewissheit verschaffen.

* RKI, Epidemiologischen Bulletin 47/2017, 23. November 2017

Du möchtest einen HIV-Test machen? So geht’s jetzt weiter. Das wichtigste zuerst: So ein HIV-Test ist natürlich sehr persönlich und intim! Deshalb entscheidest auch nur Du, ob und wo ein HIV-Test durchgeführt wird und wer von dem Test und dem Ergebnis erfährt. Wenn Du möchtest, kannst Du Dich auch anonym testen lassen.

Zunächst solltest Du also für Dich entscheiden, wo und von wem Du den HIV-Test machen lassen möchtest. Wie wichtig sind Dir begleitende Beratungsangebote vor und nach dem HIV-Test?

Du hast unterschiedliche Testangebote zur Auswahl, zum Beispiel:

  • AIDS-Hilfen und Checkpoints
    Regionale AIDS-Hilfen und Checkpoints bieten in der Regel Sprechstunden oder Beratungstermine in Kombination mit einem HIV-Test an. Häufig werden dabei sogenannte Schnelltests durchgeführt. Das heißt, Du erfährst das Ergebnis noch am gleichen Tag in der Beratung. Aber auch Labortests, insbesondere zur Absicherung des Schnelltestergebnisses, sind möglich. Beratung und Test können auf Wunsch anonym, unter einem Phantasienamen erfolgen. Viele Beratungsstellen erheben für den HIV-Test eine Gebühr zwischen ca. 10 und 30 Euro.
  • Gesundheitsamt
    Auch städtische Gesundheitsämter führen Beratungen und HIV-Tests durch. Dabei werden – oft kostenlos – nach einer Blutabnahme Labortests durchgeführt. Auf das Ergebnis musst du einige Tage warten. Gehört auch ein Schnelltest zum Beratungsangebot, fällt für diesen in der Regel eine Gebühr an. Auch in vielen Gesundheitsämtern ist ein anonymer HIV-Test möglich.
  • Arztpraxis
    Selbstverständlich kannst Du Dich auch in einer Arztpraxis, zum Beispiel bei Deinem Hausarzt oder in einer HIV-Schwerpunktpraxis, auf HIV testen lassen. Hier stehen in der Regel alle Testverfahren zur Verfügung. Ein anonymer Test ist allerdings nicht möglich, denn Dein Testergebnis wird in Deiner Krankenakte vermerkt. Wenn Du zu einer Risikogruppe gehörst kann es sein, dass Deine Krankenkasse die Kosten für den Test trägt.
  • Zu Hause
    Seit Oktober dieses Jahres kannst Du auch zu Hause einen sogenannten HIV-Selbsttest durchführen. Du kannst den Test in Apotheken und Online-Apotheken – künftig auch in Drogeriemärkten – kaufen. Das Ergebnis siehst Du, wie bei einem Schnelltest, bereits nach wenigen Minuten. Fällt dieses positiv aus, muss zunächst ein weiterer Labortest das Ergebnis bestätigen. Spätestens dann solltest Du Dich an eine Beratungsstelle oder einen Arzt wenden. Wer sich für einen Test zu Hause entscheidet muss außerdem wissen: Ein negatives Ergebnis ist erst drei Monate nach einer möglichen Ansteckung zuverlässig.

Auch wenn die Entscheidung für einen HIV-Test ganz allein bei Dir liegt, kann eine Beratung sehr hilfreich sein und Ängste nehmen. Aus diesem Grund ist es im Zweifel immer eine gute Wahl, vor einem HIV-Test das Gespräch zu suchen. Die Deutsche AIDS-Hilfe bietet vielfältige Beratungsmöglichkeiten – persönlich, telefonisch oder online und auf Wunsch auch anonym.

Schnelltest, Labortest, Selbsttest – es gibt verschiedene Möglichkeiten, um HIV im Körper nachzuweisen. Mit diesen Testverfahren werden Antikörper gegen das HI-Virus und zum Teil auch Antigene, das sind HI-Virusbestandteile, im Blut gesucht, um eine HIV-Infektion zu bestätigen oder auszuschließen. Werden Antikörper oder Antigene gefunden, ist das Testergebnis positiv, der Betroffene hat eine HIV-Infektion – im umgekehrten Fall ist die Person HIV-negativ. Allerdings sind sowohl Antikörper als auch Virusbestandteile erst einige Zeit nach dem Infektionsgeschehen im Blut nachweisbar. Diesen Zeitraum zwischen der möglichen Ansteckung und dem Zeitpunkt, an dem eine HIV-Infektion aufgrund eines negativen Suchergebnisses mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, nennt man „diagnostisches Fenster“. Hier unterscheiden sich die verschiedenen HIV-Tests: Je nach Verfahren gilt ein diagnostisches Fenster von sechs oder zwölf Wochen nach einer Risikosituation.

Darüber hinaus gibt es weitere Unterschiede. Hier die wichtigsten HIV-Tests im Überblick:

  • Labortest (HIV-Antigen-Antikörper-Test)
    Für einen Labortest erfolgt unter ärztlicher Aufsicht eine Blutabnahme aus der Armbeuge. Moderne Labortests untersuchen diese Blutprobe sowohl auf Antikörper als auch auf Antigene. Zusätzlich sorgt ein zweistufiges Verfahren, das nach einem ersten positiven Ergebnis automatisch einen zweiten hochspezifischen Bestätigungstest der gleichen Blutprobe vorsieht, für eine bestmögliche Sicherheit. Der positive Nachweis einer HIV-Infektion kann mit diesem kombinierten Labortest schon zwei Wochen nach einer Risikosituation erfolgen, denn insbesondere die Antigen-Konzentration kann kurz nach der Ansteckung sehr hoch sein. Mit steigender Anzahl der Antikörper sinkt sie jedoch wieder, da diese die Virusbestandteile binden. Jetzt erfolgt der Nachweis hauptsächlich über die Antikörper im Blut. Sicher ausschließen lässt sich ein positives Ergebnis allerdings erst nach einem diagnostischen Fenster von sechs Wochen. Erst dann besteht Gewissheit, dass sich keine Antikörper mehr bilden.
    Dieses Testverfahren ist in den meisten Gesundheitsämtern, Arztpraxen und Krankenhäusern Standard. In der Regel dauert es einige Tage, bis ein Testergebnis vorliegt. Ein positives Ergebnis wird anonym an das Robert-Koch-Institut weitergegeben. Diese Meldepflicht besteht, um die Verbreitung von HIV in Deutschland zu dokumentieren.
  • Schnelltest (Antikörper-Schnelltest)
    Der Schnelltest liefert bereits innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis und ist einfach zu handhaben. Bei modernen Antikörper-Schnelltests können anhand einer winzigen Blutprobe aus der Fingerkuppe Antikörper nachgewiesen werden. Allerdings kann mit dem Verfahren erst zwölf Wochen nach einer Risikosituation eine HIV-Infektion sicher ausgeschlossen werden. Hinzu kommt: Bei einem positiven Ergebnis muss immer ein „regulärer“ HIV-Antigen-Antikörper-Test im Labor zur Bestätigung folgen.
    HIV-Schnelltests werden von vielen Beratungsstellen der AIDS-Hilfen, Checkpoints und von Gesundheitsämtern angeboten.
  • HIV-Selbsttest
    Ein HIV-Selbsttest oder auch Heimtest ist eine Form des Schnelltests, den jeder privat zuhause anwenden kann. Der Selbsttest ist aktuell in Apotheken und Online-Apotheken erhältlich. Der Verwender entnimmt sich selbst Blut aus der Fingerkuppe und gibt es in eine Testapparatur. Das Ergebnis erscheint in wenigen Minuten. Wichtig ist auch hier: Ein negatives Ergebnis ist erst zwölf Wochen nach dem möglichen Infektionsgeschehen zuverlässig. Ein positiver Test muss wie beim Schnelltest auf jeden Fall durch einen Labortest bestätigt werden.
  • PCR-Test
    Der PCR-Test unterscheidet sich besonders in folgendem Punkt von den anderen Testverfahren: Dieser Test weist nicht die Antikörper sondern das HI-Virus selbst im Blut nach. Das heißt, mit diesem Verfahren lässt sich die Viruslast im Körper bestimmen. Der PCR-Test dient daher vor allem der Kontrolle einer antiretroviralen Therapie. Schlägt ein PCR-Test bei einer HIV-positiven Person nicht an, ist deren Viruslast unter der Nachweisgrenze. Häufig wird diese Testmethode auch für die HIV-Diagnostik bei Neugeborenen von Müttern mit HIV eingesetzt. Da diese Babys noch bis zu 18 Monate nach der Geburt HIV-Antikörper ihrer Mütter im Blut haben – dabei aber wahrscheinlich nicht HIV infiziert sind – sind herkömmliche Antikörper-Tests hier nicht aussagekräftig.
    Für den Ausschluss einer HIV-Infektion ist der PCR-Test nicht geeignet. Hier sollten die gängigen Labor- oder Schnelltests genutzt werden. Hinzu kommt: Da nur wenige Speziallabore den Test durchführen, sind die Kosten für den PCR-Test relativ hoch.

Nach dem Test ist vor dem Test
Du hast einen HIV-Test gemacht und der war negativ? Trotzdem solltest Du das Thema HIV-Test nicht ganz aus Deinem Gedächtnis streichen, sondern immer wieder auf Deine „Vorsorge-Agenda“ setzen. Denn …

  • grundsätzlich gilt die Empfehlung, dass Männer, die Sex mit Männern haben, sich mindestens einmal im Jahr auf HIV testen lassen sollten;*
  • auch Männern, die sich neben anderen Präventionsmaßnahmen durch eine PrEP vor einer Ansteckung schützen, wird ein regelmäßiger HIV-Test empfohlen, und zwar: unmittelbar vor dem Start der PrEP, vier Wochen nach Beginn der PrEP sowie anschließend alle drei Monate;**
  • natürlich können Risikosituationen wie ungeschützter Sex mit Personen, deren HIV-Status Du nicht kennst, immer wieder passieren – dann solltest Du den HIV-Test gleich wiederholen;
  • vielleicht hast Du einen Partner, der HIV-positiv und nicht unter der Nachweisgrenze ist, auch dann ist ein regelmäßiger Test wichtig – für Euch beide;
  • wenn Du beim HIV-Test bist, kannst Du Dich bei der Gelegenheit auch auf andere sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis und Chlamydien untersuchen lassen und Dich über Impfungen gegen Hepatitis A und B informieren.

* https://www.iwwit.de/hiv-aids/hiv-test
** Deutsch-Österreichische Leitlinien zur HIV-Präexpositionsprophylaxe V.1 vom 24.5.2018, Seite 19

Du musst noch warten, bis ein HIV-Test ein zuverlässiges Ergebnis bringt?
Die Wartezeit – das diagnostische Fenster – bis ein HIV-Test eine Infektion sicher ausschließen kann, ist für viele sehr belastend. Selbstverständlich kannst Du Dich auch schon in dieser Phase an eine Beratungsstelle, zum Beispiel an eine AIDS-Hilfe, wenden. Hier wird man Dich unterstützen, außerdem hast Du die Möglichkeit Dich zu informieren und auszutauschen. Wichtig ist, dass Du Dich und andere in dieser ungewissen Zeit vor einer Ansteckung schützt, denn auch wenn im Blut noch keine Antikörper nachweisbar sind, kann HIV schon übertragen werden. Auf safer sex und safer use solltest Du deshalb in dieser Zeit ganz besonders achten.

Mein HIV-Test ist positiv – was nun?
Ein positives Testergebnis ist zunächst ein Schock. Wichtig ist es, sofort zu handeln und möglichst schnell einen Arzt aufsuchen. Denn je eher eine antiretrovirale Therapie beginnt, desto weniger Schaden kann das HI-Virus anrichten. Dank moderner Therapien ist ein fast normales Leben bei guter Lebensqualität möglich. Mit einer erfolgreichen Behandlung ist sogar eine Ansteckung nahezu ausgeschlossen – Partnerschaften, Familie, Beruf, Pläne für die Zukunft, alles ist möglich. Eine gute medizinische Betreuung ist jedoch meist nicht alles, was nötig ist, um Menschen, die gerade von ihrer HIV-Infektion erfahren haben, zurück ins Leben zu helfen und neuen Mut zu geben. Zu tief verwurzelt sind nach wie vor Vorurteile, Diskriminierung und Stigmatisierung.
Wie Du mit einem positiven Testergebnis umgehen kannst erfährst Du hier.

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