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HIV und Dating? Na klar!

Dating mit HIV – sag‘ ich’s oder sag ich’s nicht?

Egal ob frisch verliebt, ein Treffen mit einer Chatbekanntschaft oder ein One-Night-Stand – das erste Date mit einem neuen Partner oder einer neuen Partnerin ist immer aufregend! Schließlich weiß man vorher nie so genau wie der Abend endet – oder wo. Der Gedanke an HIV sollte Euch dabei weder die Romantik noch den Spaß verderben!

Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Denn sobald es „ernst“ wird, ob nun in emotionaler oder sexueller Hinsicht, stellt sich die Frage: Sag ich’s oder sag‘ ich’s nicht? Viele Menschen mit HIV machen sich Sorgen, eine*n neue*n Partner*in oder eine neue Bekanntschaft mit einem HIV-Outing zu vertreiben oder doch zumindest soweit zu verunsichern, dass ein weiteres Date eher unwahrscheinlich wird – von Intimitäten ganz zu Schweigen. Bedauerlicherweise muss man sagen: zu Recht. Laut einer Studie aus dem Jahr 2018 würde sich jeder zweite Deutsche bei einem Date mit jemandem, der oder die HIV-positiv ist, unwohl fühlen.* Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Unwissenheit, Angst und Vorurteile.

Was also tun? Eine pauschale Antwort gibt es darauf leider nicht. Dafür sind die Reaktionen und der Umgang mit solchen Situationen viel zu individuell. Sicher spielt dabei auch eine Rolle, worum es beim Date geht: Kennenlernen, Vertrauen aufbauen, Liebe, Sex – unverbindlich oder verbindlich – oder alles zusammen. Am Ende muss jeder für sich selbst eine Entscheidung treffen.
Bei dieser Entscheidung helfen können allerdings Informationen und Fakten. Wir haben daher einen Rechtsanwalt getroffen und ihn gefragt, ob und wann ein HIV-positiver Status – juristisch betrachtet – bei einem Dating offengelegt werden muss und wann nicht.

Eine Rechtsberatung kann dieser Artikel nicht ersetzen. Wer sich umfassend informieren möchte oder ein konkretes Rechtsanliegen hat, sollte sich an eine Beratungsstelle der Deutschen Aidshilfe oder an eine*n auf die Belange von Menschen mit HIV spezialisierten Anwält*in wenden.

*Quelle: Studie „Is HIV sorted?“, Marktforschungsinstitut Opinium im Auftrag von Gilead Sciences und der IAPAC (International Association of Providers of AIDS Care), Juni 2018

Abseits von persönlichen Entscheidungen und Meinungen, wenn es um HIV-Outing beim Date oder bei sexuellen Kontakten geht, gibt es auch rechtliche Aspekte, die Fakten schaffen. Rechtsanwalt Jacob Hösl beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema HIV und Strafrecht. Von ihm wollten wir wissen, ob es in Deutschland Gesetze gibt, die Menschen mit HIV in intimen Situationen ein HIV-Outing vorschreiben.

Gibt es Gesetze in Deutschland, die Menschen mit HIV grundsätzlich dazu verpflichten, vor sexuellen Handlungen seine*n oder ihre*n Sexualpartner*in über seinen*ihren HIV-Status zu informieren?

Nein, in Deutschland gibt es kein ausdrückliches Gesetz, das HIV-Positive dazu verpflichtet, den*die Sexualpartner*in vor der sexuellen Handlung zu informieren. In Deutschland werden Fälle, in denen es hier zu Schwierigkeiten kommt, nach dem allgemeinen Strafrecht behandelt. Dieses sagt laienhaft zusammengefasst: Man darf einen anderen nicht gefährden oder gar verletzen. Hierzu zählt auch, wenn man den anderen eine Infektionsgefahr aussetzt und erst recht, wenn sich dieses Risiko verwirklicht hat.

In welchen Situationen haben Menschen mit HIV, die ihren positiven HIV-Status verschweigen, strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten und wann nicht? Wie lautet der Vorwurf?

Strafrechtliche Konsequenzen müssen Menschen mit HIV vor allem dann fürchten, wenn sie ihre Infektion verschweigen und es zu einem Ansteckungsrisiko für den*die Sexualpartner*in kommt. Wird allerdings ein Kondom verwendet, macht man damit deutlich, dass ein solches Risiko für den*die Partner*in nicht gewollt ist. Seit einiger Zeit ist auch bekannt, dass bei einer stabilen Viruslast unter der Nachweisgrenze das Übertragungsrisiko auf den*die Sexualpartner*in deutlich reduziert ist.** Auch in diesem Fall liegt kein Vorsatz bezüglich einer Infektion des*der Partner*in vor.
Wenn es zu einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren kommt lautet der Vorwurf regelmäßig (versuchte) gefährliche Körperverletzung.

Wie ist die rechtliche Situation im europäischen Ausland?

Die rechtliche Situation ist sehr unterschiedlich in den europäischen Ländern. Eine allgemeingültige Aussage kann man hier nicht treffen. Grundsätzlich lässt sich aber sagen: In mehr oder weniger allen Ländern, so auch im europäischen Ausland, wird die (versuchte) Infektion mit HIV strafrechtlich verfolgt. In manchen Ländern, zum Beispiel in Schweden, muss man dem*der Partner*in in jedem Fall vor dem ersten Geschlechtsverkehr über die HIV-Infektion informieren. Tut man das nicht, kann man zur Rechenschaft gezogen werden – unabhängig davon, ob man den Partner in Gefahr gebracht hat oder nicht. Die Situation ist allerdings je nach Ausland durchaus unterschiedlich. Hier muss man sich über die Rechtslage in dem jeweiligen Land informieren.

Soweit die juristischen Hintergründe. Fakt ist: Dating, eine Partnerschaft, Liebe und ein erfülltes Sexualleben sind für Menschen mit HIV genauso möglich, wie für Menschen ohne HIV. Um sich und andere vor Ansteckung zu schützen müssen nur wenige, dafür aber wichtige, Spielregeln eingehalten werden – von allen Beteiligten. Dr. Lahdo, Facharzt für Innere Medizin und HIV-Schwerpunktbehandler in Wiesbaden, erklärt im Video wie’s funktioniert.

**Obwohl es sich gezeigt hat, dass die erfolgreiche Virussuppression durch eine antiretrovirale Therapie das Risiko einer sexuellen Übertragung erheblich reduziert, kann ein Restrisiko nicht ausgeschlossen werden. Auf Grundlage (unkontrollierter) Beobachtungsstudien stuft das Robert Koch Institut das Risiko einer sexuellen Übertragung (Viruslast seit ≥6 Monaten unter der Nachweisgrenze) als vergleichbar gering ein wie bei der Verwendung eines Kondoms ohne antiretrovirale Therapie.1 Auch die Deutsche AIDS-Hilfe wertet den Schutz durch Therapie als Safer Sex.2
1 https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HIV_AIDS.html
2 https://www.aidshilfe.de/schutz-therapie#acc-175410