Medienpreis HIV/AIDS: Florian, HIV-Aktivist und Blogger, erhält Auszeichnung

Seit 32 Jahren ist der Medienpreis HIV/AIDS der Deutschen AIDS-Stiftung einzigartig im deutschsprachigen Raum. Mit dieser Auszeichnung honoriert die Stiftung Medienbeiträge, die HIV und AIDS kompetent, aktuell und empathisch in der Öffentlichkeit zum Thema machen – und damit einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung und gegen Diskriminierung leisten. Zusätzlich belohnt die Deutsche AIDS-Stiftung Kinder und Jugendliche, die sich in besonderer Weise in Projekten mit HIV und AIDS auseinandersetzen, mit dem JUGEND-Medienpreis.

Die Preisverleihung für den Medienpreis HIV/AIDS 2017 und 2018 fand beim diesjährigen Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongress (DÖAK) in Hamburg statt. Insgesamt vier herausragende Beiträge konnten die Jury aus Medizinern, Journalisten und AIDS-Aktivisten überzeugen. Schauspielerin Jessica Stockmann übergab als Laudatorin die Urkunden an die stolzen Gewinner. Ausgezeichnet wurden:

  • Birgit Wittstock für ihre Langzeitrecherche, die in zwei Teilen in der Wiener Wochenzeitung Falter erschien: „Philipp, 35, positiv“ (Falter 17/18) und „Philipp, A. und ich“ (Falter 22/18),
  • Florian Winkler-Ohm für seinen Blog flosithiv.com,
  • Martin Reichert für seine Publikation „Die Kapsel. AIDS in der Bundesrepublik“, Suhrkamp Verlag Berlin 2018.

Den JUGEND-Medienpreis HIV/AIDS erhielt eine Projektgruppe aus 14 Jugendlichen des Jugendzentrums GAP der AIDS-Hilfe Bonn und des LBST*-Referats der Universität Bonn für ihr Theaterstück „Under Control“.

Freuen konnten sich alle Preisträger außerdem über eine finanzielle Unterstützung: Der Medienpreis HIV/AIDS ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert, die unter den drei Gewinnern aufgeteilt werden. Für den JUGEND-Medienpreis erhält die Projektgruppe 3.000 Euro. Möglich machen dies die Förderer des Medienpreises GILEAD Sciences GmbH und der Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa).

* LesBiSchwul und Trans

Ein Gewinner des Medienpreises HIV/AIDS ist Florian, Unterstützer der Initiative #nochvielvor, außerdem HIV-Aktivist und Blogger. Seit 2016 berichtet er auf seinem Blog flosithiv.com über sein Leben mit HIV. Jetzt ist er dafür mit dem Medienpreis HIV/AIDS ausgezeichnet worden.

In ihrer Laudatio für Florian gibt Schauspielerin Jessica Stockmann die Jury-Bewertung wieder: „[…] Florian Winkler-Ohm zeigt aktuelle Fakten und was Menschen mit HIV und die von HIV am stärksten betroffenen Gruppen gerade bewegt. Damit wurde er zum Sprachrohr für viele Menschen mit HIV und für ihre Themen, wie Schutz durch Therapie, PrEP*, Chemsex oder Diskriminierung im Gesundheitswesen. Sein Blog ist aktuell, kritisch und engagiert. Ohne zu verharmlosen, einseitig zu sein oder zu dramatisieren. Mit seinem Blog leistet Florian Winkler-Ohm deshalb einen wichtigen Beitrag zur Entstigmatisierung von HIV und zum Abbau von Diskriminierung. […]”

Auf dem DÖAK haben wir Florian nach der Preisverleihung getroffen und mit ihm gesprochen:

Florian, herzlichen Glückwunsch. Du hast für Deinen Blog flosithiv.com den Medienpreis HIV/AIDS verliehen bekommen. Was bedeutet diese Auszeichnung für Dich?

Sie ist eine große Wertschätzung für meine ehrenamtliche Arbeit und gleichzeitig ein toller Ansporn – ich habe mich jedenfalls riesig gefreut und natürlich auch kräftig gefeiert. 😉

Wann und wie ist die Idee für Deinen Blog entstanden?

2016 hatte ich ein Scholarship für die Welt-AIDS-Konferenz in Durban/Südafrika. Ich suchte nach einer Möglichkeit, wie ich die Themen der Konferenz in die HIV-Community tragen kann. Die Lösung war der Blog flosithiv.com.

Und worum geht’s auf Deinem Blog?

Zum einen geht es um mein Leben mit HIV – zum anderen um Neuigkeiten zum Thema HIV/AIDS. Ich möchte, dass sich der Blick der Menschen auf HIV verändert. Viele haben immer noch die Bilder der 80er Jahre im Kopf. Dass Menschen unter Therapie heute weitestgehend ein gutes Leben haben können, verändert den Blick auf das Thema. Doch die Vorurteile bleiben – trotz guter Behandlungsmöglichkeiten in der heutigen Zeit sind immer noch Stigmatisierung und Diskriminierung an der Tagesordnung. Im Blog versuche ich daher vor allem auch engagierte Menschen der HIV-Selbsthilfe zu Wort kommen zu lassen.

Sprichst Du mit Deinem Blog hauptsächlich Menschen mit HIV an oder möchtest Du auch HIV-Negative erreichen?

Beide sind gleich wichtig. Wenn ich von Kongressen oder Konferenzen über Neuigkeiten aus dem medizinischen Bereich blogge, interessiert das meistens mehr die Menschen mit HIV. Gleichzeitig erhalte ich auch viel Zuspruch von HIV-negativen Menschen, die den Blog und die dort veröffentlichten Berichte als Wissensquelle nutzen.

Was war Dein bislang bestes „Blog-Erlebnis“ – zum Beispiel besondere Kommentare von Lesern, spannende Interviews, die Du geführt hast, oder ähnliches?

Das Schönste sind die Nachrichten, die ich oftmals als Antwort auf das Bloggen bekomme. Da bedanken sich beispielsweise Leser_innen, dass sich ihr Blick auf Menschen mit HIV verändert hat: Ist doch ein tolles Kompliment.

Was passiert in Zukunft auf flosithiv.com? Gibt es besondere Topthemen, die Du planst?

Ich möchte mich vermehrt dem Thema Chemsex widmen – ein Thema, das noch viel mehr in die Öffentlichkeit getragen werden muss und bei dem die User von Chemsex so dringend Unterstützung brauchen. Ansonsten werde ich im Sommer noch viel unterwegs sein – auf CSDs, beim Treffen der Selbsthilfe und bei Straßenfesten. Ich bin ganz sicher da gibt’s noch jede Menge neue spannende Themen für den Blog.

Das Motto des diesjährigen DÖAK lautete „Visionen und Wirklichkeit“. Was muss aus Deiner Sicht passieren, damit für Menschen mit HIV aus Visionen Wirklichkeit wird?

Vor allem ein „am Ball bleiben“. Damit meine ich, dass wir alle auch weiterhin als HIV-Community lautstark auf unsere Themen und Bedürfnisse aufmerksam machen müssen. Trotz der hierzulande guten Therapiemöglichkeiten müssen wir Aktivist_innen die HIV-Community in anderen Ländern unterstützen. Es ist eine Schande, wie viele Menschen immer noch ohne Zugang zu einer Therapie sind.

Was war – mal abgesehen von Deiner Auszeichnung – Dein persönliches Highlight bei der Preisverleihung oder auf dem DÖAK?

Ich war ja nicht der einzige Preisträger. Besonders begeistert haben mich die Preisträger_innen des JUGEND-Medienpreises HIV/AIDS. Dieser ging an eine Projektgruppe aus 14 Jugendlichen des Jugendzentrums GAP der AIDS-Hilfe Bonn und des LBST*-Referates der Universität Bonn für ihr Theaterstück „Under Control”.

Es ist großartig zu sehen, wie toll die jungen Menschen sich des Themas HIV künstlerisch angenommen haben.

* Die PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) bietet durch die vorbeugende Einnahme von HIV-Medikamenten in Kombination mit anderen Maßnahmen Schutz vor einer HIV-Neuinfektion.

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