Eine berufliche Karriere mit HIV? Du hast die gleichen Chancen wie alle anderen!

Positiv im Job

Ob Traumberuf, Karriere oder einfach ein sicheres Einkommen – Menschen mit HIV haben die gleichen Chancen auf ein erfülltes Arbeitsleben wie ihre Kollegen/innen ohne HIV. Und das ist wichtig! Denn vielen Menschen gibt ihr Job das Gefühl, ein wertvoller Teil der Gesellschaft zu sein, er hebt ihr Selbstwertgefühl und ist Teil der individuellen Lebensplanung – von der finanziellen Notwendigkeit einer bezahlten Arbeit bis hin zur Rente mal ganz abgesehen.

 

Aus medizinischer Sicht sind HIV-positive Arbeitnehmer bei einer erfolgreichen Therapie in der Regel genauso leistungsfähig im Berufsleben wie HIV-negative Arbeitnehmer. Auch eine Ansteckung am Arbeitsplatz kann nahezu ausgeschlossen werden. Hinzu kommt: Der Gesetzgeber fördert und schützt die Chancengleichheit von Menschen mit HIV mit dem Arbeitsrecht und mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Meeting im Aufenthaltsraum

Soweit die Theorie – doch die Realität sieht leider viel zu oft noch anders aus: Unwissenheit, Ängste und Vorurteile führen nicht selten zu Diskriminierung von Menschen mit HIV am Arbeitsplatz. Häufig fehlt Arbeitgebern und Kollegen/innen das Wissen über ein Leben mit HIV heute. Während betroffene Arbeitnehmer sich vielleicht sogar selbst fragen, ob und wie lange sie ihren Job ausüben können und ob sich Engagement für eine ambitionierte Karriere überhaupt lohnt. Auch Fragen wie „Muss ich meinen Arbeitgeber über meinen HIV-Status informieren?“ oder „Darf ich meinen Beruf noch ausüben?“ sorgen für Unsicherheit.

Hier haben wir Informationen, Fakten und Tipps rund um Arbeiten mit HIV zusammengetragen.

Kollegen in der Werkstatt

Rund zwei Drittel der Menschen mit HIV sind erwerbstätig. Wer von ihnen in seinem oder ihrem Traumjob arbeitet, lässt sich natürlich nicht beurteilen. Sicher ist aber: Generell gelten keine „Berufsverbote“ für Menschen mit HIV – auch nicht für Berufe im Gesundheitswesen, in der Gastronomie oder der Kinderbetreuung.

Einschränkungen gibt es nur wenige:

  • Chirurgisch tätige Ärzte, die HIV-positiv sind, dürfen verletzungsträchtige, operative Eingriffe nur durchführen, wenn ihre Viruslast unter der Nachweisgrenze ist.
  • Ist ein Job mit Reisen in Länder verbunden, in denen Einreise- und Aufenthaltsbeschränkungen für Menschen mit HIV gelten, können Unternehmen Bewerber mit HIV ablehnen. Arbeitet der Arbeitnehmer bereits in diesem Job, wenn er von seinem positiven HIV-Status erfährt, muss der Arbeitgeber, sofern möglich, eine Tätigkeit in einem anderen Bereich anbieten.

Außerdem ist zu berücksichtigen: Erfordern Dienstreisen „Tropentauglichkeit“ ist entscheidend, dass Bewerber diesen Belastungen gesundheitlich gewachsen sind. Dabei ist die erforderliche Gelbfieberimpfung bei einer erfolgreichen HIV-Therapie in der Regel unproblematisch.

  • Was viele noch nicht wissen: Seit April 2013 können Menschen mit HIV in Deutschland sowohl Flugbegleiter als auch Pilot oder Co-Pilot werden. Entscheidend für den Erhalt eines Flugtauglichkeitszeugnisses ist der gesundheitliche Zustand des Bewerbers, nicht der HIV-Status. Für HIV-positive Piloten gilt allerdings die Vorgabe, dass sie nur mit oder als Co-Pilot fliegen dürfen. Der Umgang der verschiedenen Fluggesellschaften mit HIV, zum Beispiel wann und ob ein HIV-Test von Bewerbern/innen verlangt wird, ist unterschiedlich. Wer von einem Job über den Wolken träumt, sollte sich daher vorher im Detail informieren.

Etwas schwieriger macht es die Bundeswehr. Denn hier gilt das AGG nicht. Soldat werden oder bleiben kann man mit HIV grundsätzlich trotzdem: Voraussetzung ist eine wirksame, antiretrovirale Therapie, ausreichende Immunkompetenz sowie das Fehlen von Symptomen.

Treffen mit Arbeitskollegen

Du bist HIV-positiv, Du fühlst Dich fit und Du willst arbeiten, vielleicht sogar eine ambitionierte Karriere machen. Egal ob du noch auf der Suche nach Deinem Traumjob bist, eine Ausbildung oder ein Studium planst, bereits eine Arbeit hast oder nach einer Pause ins Arbeitsleben zurückkehren möchtest – wir haben hier einige wichtige Informationen für Dich zusammengefasst:

  • Vorab gut zu wissen: Arbeitnehmer mit HIV – auch symptomfrei – sind durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) geschützt. Das bedeutet grundsätzlich:
    • Jede Ungleichbehandlung von Mitarbeitern mit HIV ist unzulässig, wenn sie nicht sachlich begründet werden kann. Arbeitgeber sind verpflichtet, Mitarbeiter mit HIV vor Diskriminierung zu schützen.
    • Im Einstellungsverfahren darf weder nach einer HIV-Infektion gefragt werden, noch ein HIV-Test gefordert werden. Hierfür gibt es nur sehr wenige Ausnahmen (mehr Informationen dazu folgen unten).
    • Arbeitnehmern darf nicht aufgrund ihrer HIV-Infektion gekündigt werden. Das betrifft hier vor allem auch die Probezeit.
    • Detaillierte Informationen zum AGG findest Du hier:
  • Bewerbungsgespräch
    Im Bewerbungsgespräch werden Dir viele Fragen gestellt – das gehört natürlich dazu. Nur eine Frage eben nicht: Die Frage nach Deinem HIV-Status. Wirst du trotzdem gefragt, bist Du nicht verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Diese „Regel“ hat nur wenige Ausnahmen: Du bewirbst Dich um eine chirurgische Tätigkeit, die verletzungsträchtige, operative Eingriffe erfordert. Oder Du möchtest Pilot werden. Oder der Job erfordert Reisen in Länder, die Einreise- und Aufenthaltsbeschränkungen für Menschen mit HIV haben. Es gibt also keine „Meldepflicht“ für Arbeitnehmer mit HIV gegenüber ihrem Arbeitgeber. Auch nicht, wenn sie zum Zeitpunkt der Diagnose bereits in Anstellung sind.
  • Einstellungsuntersuchung
    Auch hier gilt: Ein HIV-Test gehört weder zu einer Einstellungsuntersuchung noch zur arbeitsmedizinischen Untersuchung – auch nicht auf freiwilliger Basis. Bei diesen Untersuchungen geht es um Deinen Gesundheitszustand und darum, festzustellen, ob Du körperlich in der Lage bist, im Job geforderte Aufgaben (langfristig) zu erfüllen. Dein HIV-Status ist dafür nicht relevant. Zumal bei einer erfolgreichen Therapie die Leistungsfähigkeit und die Gesundheit von Menschen mit HIV in der Regel nicht eingeschränkt ist. Allerdings gelten auch hier die bereits oben genannten Ausnahmen. Leider halten sich nicht alle Arbeitgeber daran und fordern trotzdem einen „freiwilligen“ HIV-Test ein. Dann gerät man schnell in eine Zwickmühle: Denn bei Ablehnung verspielt man vielleicht seine Chancen auf eine Einstellung. Stimmt man dem Test zu, sollte man wissen, dass natürlich auch ein Betriebsarzt der Schweigepflicht unterliegt. Er (oder sie) darf den Arbeitgeber lediglich über die gesundheitliche Eignung für den Job informieren. Es kann jedoch nicht schaden, mit dem untersuchenden Arzt über die Schweigepflicht und die Weitergabe Deiner Ergebnisse zu sprechen.
  • Ansteckungsrisiko im Job
    Kann HIV im Arbeitsalltag übertragen werden? Nein, das ist in fast allen Berufen so gut wie ausgeschlossen. Das gilt auch für Bereiche wie Pflege, Kinderbetreuung oder Gastronomie. In vielen Branchen, zum Beispiel im Umgang mit Lebensmitteln oder in der Pflege, gelten ohnehin Hygienevorschriften – für alle gleichermaßen – die zusätzlich für Sicherheit sorgen. Die wenigen Tätigkeiten, bei denen ein Infektionsrisiko besteht, beschränken sich auf spezielle operative Eingriffe. Bei einigen dieser Eingriffe sind entweder zusätzliche Schutzmaßnahmen, wie zwei Paar Handschuhe, erforderlich, bei anderen muss Deine Viruslast unter der Nachweisgrenze liegen, sonst dürfen HIV-positive Ärzte sie nicht durchführen. Erfahre hier mehr
  • Krank im Job
    Jeder Arbeitnehmer, ob HIV-negativ oder -positiv, kann krank werden. Der Arbeitgeber muss dann zwar darüber informiert werden, dass man krank ist und nicht zur Arbeit kommen kann, um welche Erkrankung es sich handelt, muss jedoch nicht mitgeteilt werden. Das gilt auch für Erkrankungen, die mit einer HIV-Infektion oder Nebenwirkungen einer HIV-Therapie einhergehen. Schränken HIV-bedingte Krankheitssymptome die Arbeitsfähigkeit dauerhaft ein, sollte man sich mit seinem behandelnden Arzt besprechen, wie weiter vorzugehen ist. Vielleicht bietet sich bei der Arbeit auch die Möglichkeit auf Teilzeit oder in einen anderen Bereich zu wechseln, um die Arbeitsbelastung zu reduzieren.
  • Kündigung
    Grundsätzlich ist HIV kein Kündigungsgrund! Das AGG bietet hier einen zusätzlichen Kündigungsschutz. Ergeben sich, zum Beispiel durch Änderung des Aufgabenbereichs, Infektionsrisiken oder notwendige Dienstreisen in HIV-kritische Länder, muss das Unternehmen zunächst einen anderen Arbeitsplatz anbieten. Erkrankt jedoch ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin über einen langen Zeitraum, kann der Arbeitgeber eine sogenannte krankheitsbedingte Kündigung aussprechen – das gilt natürlich nicht nur für Menschen mit HIV.
  • Arbeiten bis zur Rente
    Von Ausbildung oder Studium über die berufliche Karriere bis hin zur Rente – Menschen mit HIV können ihr Berufsleben genauso nach ihren Wünschen planen wie Menschen ohne HIV. Dank moderner Therapien sind sie ebenso leistungsfähig – haben die gleichen Chancen, ein hohes Alter zu erreichen. Rente und Altersvorsorge sind also wichtige Themen, die aber vor dem Hintergrund einer HIV-Erkrankung leider noch viel zu oft als „nicht lohnend“ angesehen werden. Wer in einem festen Arbeitsverhältnis ist, zahlt natürlich automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Eine zusätzliche private Absicherung kann die spätere Rente allerdings noch aufbessern. Selbstständige müssen sich ohnehin privat für das Alter absichern. Wie das funktioniert und welche Besonderheiten für HIV-positive Versicherungsnehmer gelten, erfährst Du hier.
  • Das eigene Recht durchsetzen
    Der Gesetzgeber hat inzwischen viele Weichen für Chancengleichheit im Job gestellt. Doch leider müssen Arbeitnehmer mit HIV auch heute noch immer wieder gegen Diskriminierung kämpfen. Damit stehen sie aber nicht allein.

Beratung und Unterstützung bei Diskriminierung im Arbeitsleben bietet zum Beispiel die Deutsche Aidshilfe oder eine lokale Aidshilfe in Deiner Nähe.

Gespräch mit Arbeitgeber und Kollegen

Soll ich meinen Arbeitgeber und meinen Kollegen/innen sagen, dass ich HIV-positiv bin? Viele Menschen mit HIV stellen sich diese Frage, haben das Bedürfnis, offen mit ihrer HIV-Infektion umzugehen. Eine pauschale Antwort gibt es auf diese Frage leider nicht. Zu unterschiedlich sind die Situationen jedes Einzelnen, zu unterschiedlich können auch die Reaktionen von Vorgesetzten und Kollegen/innen sein.

Ein Outing ist in jedem Fall mutig, kann den Druck nehmen, sich verstellen zu müssen, Offenheit und Vertrauen im Arbeitsteam schaffen. Andererseits kann ein Outing auch immer noch Diskriminierung oder Mobbing hervorrufen. Eine Entscheidung kann letztendlich nur jeder für sich treffen. Doch so ganz allein ist man dabei nicht. Es gibt Beratungsstellen, die helfen, einen solchen Schritt zu planen.

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