PrEP kann HIV-Neuinfektionen verhindern

Die Abkürzung PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe. Gemeint ist damit die Einnahme von HIV-Medikamenten, die in diesem Fall nicht eine bestehende HIV-Infektion behandeln, sondern, in Kombination mit anderen Schutzmaßnahmen, einer Neuinfektion vorbeugen.

Wichtig ist: Eine PrEP muss unter Aufsicht eines auf HIV spezialisierten Arztes erfolgen. Denn hier geht es um hoch wirksame, verschreibungspflichtige Medikamente.

Aber wie funktioniert die PrEP? In einfachen Worten: Die Wirkstoffe in diesen Medikamenten verhindern zunächst grundsätzlich die Vermehrung von HI-Viren, sie wirken „antiretroviral“. Das heißt, bei einer wirksamen HIV-Therapie reduzieren sie die Viruslast eines HIV-Patienten im Blut bis unter die Nachweisgrenze. Bei HIV-negativen Personen verhindern eben diese Wirkstoffe, dass sich HI-Viren beim Eindringen in den Körper – quasi gleich am Ort des Geschehens – vermehren können. Zusammen mit weiteren Präventionsmaßnahmen schützt dieser Effekt davor, sich mit HIV zu infizieren.

In Deutschland ist ausschließlich die tägliche PrEP zugelassen. Die Medikamente müssen dauerhaft eingenommen werden. Die Informationen auf dieser Seite beziehen sich daher auf die tägliche PrEP.

Ein wichtiger Hinweis: Die PrEP bietet keinen Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI)! Gegen dieses Risiko müssen Maßnahmen wie zum Beispiel Kondome zum Einsatz kommen.

Die PrEP ist immer Teil einer Gesamtstrategie zur Vorbeugung einer HIV-Neuinfektion. Das bedeutet, eine PrEP wird in Kombination mit anderen Schutzmaßnahmen eingesetzt. Diese Strategie muss gemeinsam mit einem HIV-Schwerpunktarzt geplant werden. Ein umfassendes Beratungsgespräch mit dem Arzt ist also der erste wichtige Schritt.

Im Anschluss an das Gespräch führt der Arzt verschiedene Untersuchungen durch, die Voraussetzung für die PrEP sind. Dazu gehören zum Beispiel ein HIV-Test, Tests auf sexuell übertragebare Krankheiten (STI), ein Hepatitis-B-Test oder auch ein Nierenfunktionstest. Während der PrEP müssen diese Tests regelmäßig wiederholt werden. So kann zum Beispiel auch im Falle eines positiven STI-Tests schnell mit einer entsprechenden Therapie begonnen werden und weitere Übertragungen werden verhindert. Außerdem: Selbst, wenn eine PrEP bei guter Therapietreue eine zuverlässige Schutzwirkung gegen HIV hat, bleibt ein äußerst geringes Risiko einer Ansteckung. Bei geringer Therapietreue steigt das Risiko deutlich. Der behandelnde Arzt wird im Vorfeld genau erklären, welche Kontrolluntersuchungen, warum und wie oft durchgeführt werden.

Damit die PrEP in Kombination mit anderen Präventionsmaßnahmen zuverlässig vor HIV schützt, gilt es außerdem ein paar Regeln zu beachten:

  • Die Schutzwirkung einer PrEP setzt nicht sofort nach der ersten Einnahme ein.
  • Die zuverlässige, tägliche Einnahme der Medikamente ist enorm wichtig – nur so kann die PrEP Neuinfektionen vorbeugen.
  • Soll die PrEP beendet werden, muss das Absetzen des HIV-Medikaments mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden, um sicherzustellen, dass Risiken minimiert werden können.

Quellen: Deutsch-Österreichische Leitlinien zur HIV-Präexpositionsprophylaxe V.1 vom 24.5.2018
https://www.aidshilfe.de/hiv-prep/prep-checks
https://www.aidshilfe.de/hiv-prep/einnahmeschema

Grundsätzlich ist die PrEP für HIV-negative Personen – Männer und Frauen – gedacht, die ein erhöhtes (substanzielles) HIV-Risiko haben. Die Deutsch-Österreichischen Leitlinien zur HIV-Präexpositionsprophylaxe beschreiben in ihren Empfehlungen folgende Risikogruppen:

  • Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), oder Transgender-Personen, die innerhalb der letzten drei bis sechs Monate Analverkehr ohne Kondom hatten oder diesen in den nächsten Monaten voraussichtlich haben werden.
  • MSM, die in den letzten zwölf Monaten eine STI hatten.
  • Partner/innen von Menschen mit HIV, die keine HIV-Therapie machen, bei denen die Viruslast trotz HIV-Therapie nicht unter der Nachweisgrenze liegt oder die sich noch in der Anfangsphase ihrer HIV-Therapie (in den ersten sechs Monaten) befinden.
  • Personen, die Sex ohne Kondom mit Partner/innen haben, bei denen eine undiagnostizierte HIV-Infektion wahrscheinlich ist.
  • Personen, die Drogen injizieren und dabei keine sterilen Spritzbestecke verwenden.

Aktuell müssen Ärzte die PrEP über ein Privatrezept verschreiben – die Kosten werden im Allgemeinen nicht von den Krankenkassen übernommen. Das wird sich in naher Zukunft ändern: Der Deutsche Bundestag hat am 14. März 2019 beschlossen, dass die PrEP zur Vorbeugung einer Infektion mit dem HI-Virus für Menschen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Wer zu den Risikogruppen gehört und damit Anspruch auf die PrEP hat, wird von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband vereinbart.

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