HIV & Ernährung: Proteine sind wichtig

Patrick Thomalla ist Personal Trainer und Ernährungsberater in Wittenberg und Berlin. Für nochvielvor.de haben wir mit ihm darüber gesprochen, warum eiweißreiche Ernährung bei HIV empfehlenswert ist.

Sehr einfach ausgedrückt: Darum, den Eiweißanteil in der Ernährung hochzuschrauben und so den Kohlenhydratanteil zu verringern und bestimmte andere Stoffwechselprozesse zu fördern.

Viele tun es, um Gewicht zu reduzieren, aber auch um Muskulatur (wieder) aufzubauen, was ja besonders bei Menschen mit HIV manchmal ein Problem ist, und um sich grundsätzlich fitter zu fühlen. Meine Kunden beschreiben mir immer wieder, dass sie mit dieser Ernährungsform besser über den Tag kommen, ihr Mittagstief wegfällt und sie insgesamt mehr Energie haben, auch und besonders beim Sport.

Da kommt unser guter Freund Insulin ins Spiel. Wenn man sich hauptsächlich von Vollkornprodukten ernährt, einfache Kohlenhydrate wie Zucker eher meidet und auf Eiweiß setzt, kommt es nicht zu heftigen Ausschlägen nach oben oder unten beim Insulinspiegel, weil diese Lebensmittel vom Stoffwechsel langsamer verarbeitet werden. Dadurch signalisierst Du Deinem Körper: Du bist dauerhaft gut mit Nährstoffen versorgt. Und das dankt er Dir Durch eine konstante energetische Leistung.

Nein. Das kann man mal machen, wenn man einen hektischen Tag hat, an dem man es nicht schafft, sich etwas Vernünftiges zu essen zu machen oder machen zu lassen, aber prinzipiell rate ich meinen Kunden davon eher ab.

Das ist sicher auch dem hektischen Leben in der Großstadt geschuldet, das viele von uns führen. Zehn Minuten Mittagspause sind halt keine gute Idee. Aber viele von uns kochen auch gerne und haben es deswegen eigentlich nicht nötig, auf Pulver zurückzugreifen.

Ja, natürlich. Das geht auch rein pflanzlich. Hülsenfrüchte und Nüsse zum Beispiel sind da wirklich gute Alternativen. Eine Kombination aus wenig, aber gutem Fleisch, Hülsenfrüchten und Vollkorn finde ich hier am besten, weil sich der Körper so aus den verschiedenen Aminosäuren, das sind die Bausteine, aus denen Eiweiß zusammengesetzt ist, das heraussuchen kann, was er gerade am meisten braucht.

Eiweiße bestehen aus Aminosäuren. Und die brauchen wir für sehr viele Körperfunktionen. Wenn der Körper ein Eiweiß aufspaltet, sucht er sich die Aminosäuren, die er gerade zum Muskelaufbau, zur Hormonbildung, zur Antikörperbildung oder zum Aufbau weißer Blutkörperchen braucht und legt dann los.

Menschen mit HIV haben einen erhöhten Eiweißbedarf, weil der Körper auch während einer gut laufenden Therapie ständig Antikörper bildet, kleine Entzündungen bekämpft oder das Virus anderweitig in Schach hält und Symptome managen muss.

Grundsätzlich ja. Es gibt ein paar Einschränkungen bei der Auswahl der Lebensmittel. Rohes Eiweiß, also zum Beispiel in Tiramisu, weichgekochte Eier, rohes Fleisch in Mettbrötchen zum Beispiel und roher Fisch wie Sushi sollten vermieden werden, um Infektionen vorzubeugen. Das kann man alles super lecker zubereiten, – oder man ersetzt es durch pflanzliche Produkte.

Wer als Vegetarier oder Veganer nur auf Soja setzt, verpasst eine Menge. Nicht, weil er mit Tofu seinen Hormonhaushalt durcheinanderbringen könnte, wie man immer wieder hört, dafür müsste man schon massive Mengen Sojaprodukte essen. Sondern, weil er die ganzen leckeren Alternativen verpasst, von Mandelmilch über Lupinengeschnetzeltes bis zu Nudeln aus Konjakwurzeln. Auch hier gilt: Abwechslung ist immer gut.

Das ist von Mensch zu Mensch sicher verschieden. Generell gilt: mehr als anderthalb Liter am Tag. Ich rate meinen Kunden zu drei Litern Wasser. Das ist gut für Verdauung, Nieren und viele Stoffwechselprozesse und gerade bei eiweißreicher Ernährung wichtig.
Denn bei der Eiweißverstoffwechselung entstehen Säuren, mit denen der Körper umgehen, und die er, soweit er sie nicht verarbeitet, auch wieder ausschleusen muss. Dafür ist der Flüssigkeitshaushalt und die Nierenfunktion entscheidend. Beides wird durch gutes Trinken unterstützt.

Das kommt auf die Stadt an, in der man lebt, die Wasserqualität ist da sehr unterschiedlich. Ich rate zu einem guten Wasserfilter oder Wasser aus Glasflaschen.

Jeden Tag eine Tasse Brennnesseltee oder ab und an ein Entschlackungstee aus der Apotheke helfen zusätzlich, um eine eiweißreiche Ernährung zu unterstützen. Dazu kommt: Wer jeden Tag ein Glas Wein trinkt oder mehr, kann sich Sorgen um seine Leber oder Nierenfunktion gleich sparen. Alkohol ist ein primäres Gift, das der Körper entfernen will, und mit dem die Leber 24 Stunden beschäftigt ist – und zwar fast ausschließlich.

Es kann bis zu drei Wochen dauern, bis die letzten Spuren aus dem Körper raus sind. Wer also Party macht, Drogen konsumiert oder viel Alkohol trinkt, sollte sich bewusst sein, dass er sich damit, was Leber und Niere anbelangt, keinen Gefallen tut und auch alle anderen Prozesse im Körper negativ beeinflusst.

FAZIT:

  • Proteinreiche Ernährung ist für Menschen mit HIV empfehlenswert
  • Verzichte dabei auf unverarbeitetes oder rohes Eiweiß
  • Unterstützend wirkt, etwa drei Liter Wasser am Tag zu trinken
  • Mit dem Gift Alkohol und anderen Drogen schädigst Du Leber und Nieren

Homepage von Patrick Thomalla

Features

HIV und Ernährung

Wenn Du Deinen Körper mit gesunder Ernährung gut versorgst, wird er es Dir danken. Hier liest Du, worauf es ankommt.

Frau joggt auf Brücke

HIV und Sport

Ein aktiver, sportlicher Lebenswandel ist auch für Menschen mit HIV wünschens- und empfehlenswert. Goldene Regel: nichts übertreiben!

Kleinfamilie beim Zeltern

HIV und Reisen

HIV einfach zu Hause lassen? Leider keine Option. Aber wir helfen Dir bei der Vorbereitung.

Wir verwenden Cookies, um Ihnen eine bessere Browsing-Erfahrung zu bieten, den Website-Verkehr zu analysieren und gezielte Werbung zu schalten. Informieren Sie sich hier wie wir Cookies verwenden und wie Sie dies  kontrollieren können.